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Das Fjordpferd
Es gibt einige Gründe warum ich Oberon trotz seines Sturkopfes die Rolle des Dextrarius gegeben habe.
Zum einen entspricht er wohl dem europäischen Urtyp eines domestizierten Pferdes am meisten. Da das Pferd vor zirka 5000 Jahren in Asien und dem arabischen Raum zum ersten mal gezähmt wurde, dauerte es noch etwas bis es sich auch nach Europa ausbreitete. Der Urtyp der also vor einigen tausend Jahren hier zum ersten mal erschien, war sicherlich kein hochgezüchtetes Warmblut, sondern erinnerte sicherlich eher an ein Prezewalski Pferd.
Oberon ist daher das ideale Pferd für die frühen Epochen des Mittelalters.
Viele glauben immer dass die Isländer eigentlich die Pferde jehner Zeit gewesen wären. Jedoch wurde Island erst im Jahre 870 von dem schwedische Wikinger Gardar Svavarsson der in Húsavík in Nordisland überwinterte entdeckt. Und die Isländer entwickelten sich dann folglich aus dem mitgebrachhten Typ Pferd der mit dem Fjordpferd morderner Zeiten fast identlisch war. Somit kann man das Fjordpferd als das wahre Pferd der spätantike und des frühen Mittelalters sehen.
Seine Wurzeln reichen bis zum jahre 700v Chr. zu einigen keltischen und germanischen Ponys.
Historische Belege
Schon vor den Wikingern überall bekannt
Das Fjordpferd in der Vendelperiode (500-800 n.Chr)
Mittlerweile ist es bekannt, dass das Fjordpferd oder zumindest sein direkter Vorfahre eine wesentliche Rolle im frühmittelalterlichen Nordeuropa spielte. Jedoch gibt es seit kurzem Hinweise darauf, dass das Fjordpferd schon viel früher in der Geschichtsschreibung auftauchte; eine Theorie die bisher vernachlässigt wurde. In diesem Artikel soll euch diese Zusammenhänge etwas näher gebracht werden.
Im Jahre 1991 gelang es in Britannien an der Ausgrabungsstätte von Sutton Hoo im Grab Nr.17, einen Krieger und sein Pferd zu bergen. Beide stammen nach Analyse der Schmuckstücke aus dem Jahre 600-650 N Chr. Die Nation war begeistert, aber nicht wegen des Pferdes, sondern wegen des prunkvollen Pferdegeschirrs, welches als eines der Schönsten europäischen überhaupt gilt. Nach Auswertung weiterer Untersuchungen wurde das Skelett einem zwischen 5 und 7 Jahre alten Hengst zugeordnet.
Was hat es nun mit diesem Fund auf sich? Die Schlussfolgerungen werden erst bei genauerer Betrachtung einiger anderer Funde und der damaligen politischen Lage klar.
Wie soll man sicher sagen können, dass dieses Pferd ein Vorfahre unseres geliebten Fjordpferdes ist. Leider sind durch den sandigen wässerigen Boden keine DNA-Analysen mehr möglich, da sämtliche organischen Spuren zerstört wurden. Selbst der Großteil der Knochen konnte nur noch anhand von Verfärbungen des Sandes identifiziert werden. Jedoch gibt es einige sehr deutliche Beweise, dass wir diesen jungen Hengst als Fjordpferd betrachten können.
Wir beginnen mit den Artefakten, die gefunden wurden. Darunter im berühmten Grab Nr.1 den legendären Maskenhelm des Königs Readwald von East Anglia aus dem 7. Jahrhundert. Unter den spärlichen Resten seines so prunkvollen Helmes fanden sich auch einige versilberte Bronzeplättchen mit Götter und auch Schlachtmotiven. Man darf davon ausgehen, dass der
Besitzer dieses Helmes zur gleichen Zeit wie der Reiter aus Grab 17. lebte und auch starb. Unter den Motiven des Helmes, finden wir eine sehr interessante Schlachtdarstellung, in der ein Berittener („Stédabeorn“, „Hengstkrieger“ angelsächsisch für Kavallerist) reitend einen seiner Gegner niederstreckt. Seine Lanze wird von Wotan (Odin) dem Kriegsgott, der auf der Kruppe des Pferdes kniend mit in die Schlacht reitet, geführt und erfüllt Pferd und Reiter mit Kraft.
Wie deutlich zu erkennen ist, ähnelt diese Pferdedarstellung stark den Wikingerbildern aus späteren Jahrhunderten, die Fjordpferde darstellen. Wenn man nun den Körperbau des gefundenen Pferdeskelettes, welcher eindeutig einem Robusttyp zuzuschreiben ist, mit dieser zeitgenössischen Aufzeichnung vergleicht, fällt es nicht schwer anzunehmen, dass es sich nur um ein Fjordpferd, oder zumindest dem Urtyp des Fjordpferdes handeln kann.
Nun stellt sich die Frage: Wie konnte ein Fjordpferd vor den Angriffen der Wikinger im
Jahre 793 auf das Kloster Lindisfarne nach England gelangen?
Damit kommen wir zu den politischen Hintergründen dieser Feststellung. König Readwald, der als einer der größten Könige der Angelsachsen zählt, hatte sehr gute Handelsbeziehungen zu den Merowingern, Osteuropa und auch zu dem skandinavischen Territorium. So stammen
einige der in den Gräbern gefundenen Schmuckstücke eindeutig aus merowingischer Fertigung. Es fand sich aber eben auch als Grabbeigaben, Gegenstände des alltäglichen Gebrauches und der Kriegskunst aus der Heimat des Fjordpferdes. Archäologen bestätigen, dass z.B der Schild aus Schweden stammte. Nun da man weiß, dass der Handel zwischen den beiden Ländern florierte, liegt der Gedanke nahe, dass sich der Austausch nicht nur auf Waffen und Schmuck begrenzte. Tiere, also auch Pferde, waren sicherlich ein wichtiger Teil der Waren, die damals über den Ärmelkanal verschifft wurden. So lässt sich auch erklären, wie ein norwegisches Pferd seinen Weg in ein angelsächsisches Grab fand.
Wir wissen ja alle um die Qualitäten der zähen Ponys aus den Fjorden Norwegens und ich denke dass auch Readwald und andere Krieger seiner Zeit diese zu schätzen wussten.
Dazu kommt auch, dass in den schwedischen Gräberfeldern von Vendel (600 n.Chr) und Valsgärde (700 n.Chr), ebenfalls Helmplättchen und andere Quellen wie z.B Fibeln, gefunden wurden, die Pferde eines fjordpferdeähnlichen Typus zeigen.
Somit liegt die Vermutung nahe, dass das Fjordpferd oder dessen Urtyp bereits ein paar Jahrhunderte vor den Wikingern seinen Teil zur Geschichte Europas beitrug. Als treues und verlässliches Arbeitstier oder aber auch in Form eines stolzen Hengstes, der sich mit seinem adeligen Herrn in die Schlacht stürzte
