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Auschwitz darf nicht vergessen werden
28.06.2009

Es war kurz nach zehn Uhr, als der Bus aus Luxemburg wegfuhr und 140 Menschen sich auf den Weg machten, um die Zeugen eines der schlimmsten Ereignisse in der Geschichte der Menschheit zu treffen. Anfangs war die Stimmung noch ganz locker, da wir noch nicht richtig wussten, was vor uns lag. Man lachte noch und amüsierte sich. Doch nach der Nachtruhe, als die Lehrer uns Dokumentar- und Spielfilme über Auschwitz zeigten, wurde es langsam etwas ruhiger, doch so richtig vorstellen konnten wir es uns noch immer nicht.

Die Ankunft in Oswiecim verlief reibungslos und schnell lebte sich jeder ein. Vor dem Essen stellten sich die Zeitzeugen Herr Silberberg, Herr Krichka und Herr Rotenbach sowie die Organisatoren vor. Am Tag darauf wurde es ernst. Wir fuhren los. Es wurde viel geredet im Bus, manche waren ruhig und andere hörten Musik. Plötzlich sahen wir große rote Baracken vor uns, und auf der Stelle herrschte Totenstille im Bus. Wir waren also angekommen. Wir stiegen langsam aus und versammelten uns vor dem großen Gebäude. Nach einigen Minuten traten wir auch schon ein und sahen uns dann erst einen Dokumentarfilm von ungefähr einer halben Stunde an. Es war sehr ergreifend, da uns spätestens jetzt klar wurde, wo wir waren. Nachdem der Film zu Ende war, entschied sich Herr Silberberg, was uns sehr erfreute, uns Auschwitz I, das Stammlager, zu zeigen. Zum ersten Mal verstanden wir so richtig die Aussage: "Durch das Tor tritt man ein, durch den Kamin geht man raus.

Wir machten uns mit dem Reisebegleiter auf den Weg und stellten uns vor das große Tor. Fast jeder hat das Bild mit der Schrift ‚Arbeit macht frei' bereits gesehen. Eigentlich Ironie pur. Die Nazis liebten alles was Ironie war, das wurde uns, je länger wir in Auschwitz verweilten, klar. Ein dicker mit Strom geladener Stacheldraht umgibt das Lager. Man kennt all diese Bilder aus Büchern, aus Filmen. Doch wenn man da steht, wird einem heiß und kalt. Als Erstes sahen wir uns die Baracken von innen an. In einigen waren Ausstellungen mit Darstellungen wie es damals beispielsweise in den Schlafsälen oder den Waschsälen aussah. Auch Fotos und Berichte konnte man sich in anderen Baracken ansehen oder durchlesen. Immerzu erzählte uns Herr Silberberg etwas über die Bilder oder Darstellungen. Es war als hätte er es gestern erst zu Ende gelebt, diese grausame Zeit. Er erzählte es mit einer Überzeugung, dass man in die Geschichte mit hinein gerissen wurde. Man wollte jede einzelne Information in sich aufsaugen. Anfangs hatten wir noch Angst, falsche Fragen zu stellen, doch nach einiger Zeit hatten wir keine Angst mehr alle unsere Fragen zu stellen.

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Dann sahen wir eine Baracke, in der noch zurückgebliebene Gegenstände waren wie zum Beispiel Haar, Brillen, Kleidungsstücke oder Schuhe. Einigen Schülern ging das sehr nahe, sie waren ab diesem Moment emotional sehr berührt. Einige weinten, einige sah man mit den Tränen kämpfen. Es ergriff einen von Minute zu Minute mehr und immer mehr.

Dann kam der Todesblock. Block 11. Wir traten ein und uns wurde erklärt was alles dort durchgeführt wurde. Wie zum Beispiel die Hungerzellen oder die Stehzellen. Es schauderte einem, wenn man bedachte, dass das hier nicht irgendein Museum war, sondern dass hier an dieser Stelle Schreckliches geschah. Am Schluss wurde noch eine kurze Gedenkzeremonie abgehalten. Schlussendlich, auf dem Weg zum Ausgang besichtigten wir noch ein Krematorium, das wiedererrichtet wurde, damit sich die Besucher einen besseren Eindruck von der Vernichtungsmaschinerie verschaffen können. Beim Anblick der ‚Duschen' oder Kamine wurde einem anders. In Gedanken versunken begaben wir uns schließlich zum Ausgang. Nachdem sich einige noch das eine oder andere Buch gekauft hatten, gingen wir zum Bus.

Als wir ankamen, wurde sofort gegessen und später nach einer kurzen Nachmittagspause ging es schon mit dem Programm weiter. Wir setzten uns alle zusammen in den großen Saal und die Zeugen von damals erzählten uns ihre Geschichte. Außerdem konnten wir noch die Fragen stellen, die uns schon die ganze Zeit durch den Kopf gingen. Nach der Diskussion aßen wir wieder und später hatten wir Freizeit. Wir gingen in die Jugendherberge und redeten über all das, was wir während des Tages erlebt hatten. Andere lasen oder sahen sich Filme an. Wir versuchten uns etwas von dem anstrengenden, emotionalen Tag zu erholen.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Auschwitz Birkenau. Jeder weiß, dass Birkenau sehr groß war, aber sich das Lager vorstellen zu können, ist natürlich sehr schwierig. Wir kamen an und versammelten uns vor dem großen Tor, das wahrscheinlich jeder kennt. Mit Angst sah ich dort hin und musste anfangs den Kopf sofort wieder von diesem Anblick wenden. Anfangs strebte ich mich noch dagegen, etwas in mir wollte nicht, dass ich realisierte, dass hier ungefähr 1.5Millionen Menschen starben. Unschuldige Opfer eines unmenschlichen Rassenwahns. Wir traten ein. Überall Baracken aus roten Ziegelsteinen. Außerdem standen unzählige isolierte Kamine dort. Dort befanden sich einmal die Baracken aus Holz. Nach dem Krieg wurden sie abgerissen, um Brennholz daraus zu machen. Nur eine Reihe wurde wieder errichtet, damit man es sich ungefähr vorstellen konnte, wie es aussah.

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Immer wieder ging mir der gleiche Satz durch den Kopf: "Auschwitz I war ergreifend, doch Auschwitz Birkenau war einfach nur schockierend, weil man begriff, wie groß so ein Lager war." Ich sah auf die Gleise und stellte mir vor, wie hier Züge mit tausenden von Menschen hinein rollten. Und wie dann in der Mitte der Gleise, wo sie aussteigen mussten, ihr Leben durch die Richtung eines Daumens entschieden wurde. Erst einmal sahen wir, wie es in den hölzernen Baracken aussah und später in den hölzernen Duschbaracken. Zwei lange Reihen mit mehreren Löchern sahen wir und uns wurde uns erklärt, dass das die Toiletten waren. Jeder hatte nur wenige Sekunden morgens dafür Zeit und die Nazis waren sehr streng, was Sauberkeit anbelangte.

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Wir besichtigten fast das ganze Gelände und hörten währenddessen Herrn Silberberg zu. Nachdem wir uns alles angesehen hatten, gingen wir zum nächsten Bereich des Lagers. Dort sahen wir auch die ‚Seen' mit der Asche vieler Menschen. Die Schüler, sowie alle anderen Besucher starrten einige Sekunden auf diese Aschen, und jeder ließ seine Gedanken durch den Kopf kreisen. Wir konnten nicht begreifen, dass hier systematisch so ein Massenmord durchgeführt wurde. Nicht nur all das, sondern auch die Überreste der Krematorien sahen wir uns an. Die Nazis hatten diese kurz vor Ende des Krieges in die Luft gesprengt, um Beweise zu vernichten. Schlussendlich sahen wir uns noch "Kanada" an. Es handelt sich dabei um den Abschnitt, an dem die Wertsachen und Haare der Juden verfrachtet wurden. Man nannte es "Kanada", weil die Polen es so nannten. Andere hätten es vielleicht "Eldorado" genannt

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Wir gingen weiter, Richtung Monument, als ich plötzlich hörte wie jemand sagte: "Essen bedeutet Leben". Mir ging ein seltsamer Gedanke durch den Kopf: "Diese Menschen hatten fast nichts zu essen und versuchten zu überleben. Es war ein stetiger Überlebenskampf, von Leben konnte nicht die Rede sein, da sie nichts zu essen hatten…"

Am Ende unseres Aufenthalts gab es noch eine Zeremonie für alle Menschen, die in Auschwitz ihr Leben gelassen hatten. Als wir uns auf den Rückweg machten, gingen ein paar von uns um Birkenau herum, um zu sehen wie groß das Lager überhaupt war.

Am Nachmittag gab es wieder eine Diskussion und jedem wurde auch die letzte Frage beantwortet. Am Abend ruhten sich alle etwas aus und am Tag darauf ging es nach Krakau. Wir sahen uns das Judenviertel an und am Nachmittag hatten die Schüler etwas Freizeit. Und schon um 20 Uhr ging es wieder los. Wir waren wieder auf dem Weg nach Hause. Vor der Reise hatten meine Eltern mir gesagt, ich sei erwachsen, wenn ich zurück käme und jetzt weiß ich, was sie damit meinten. Auf der Reise habe ich sehr viel gelernt. Ich sah, wie grausam die Menschheit in dieser doch scheinbar zivilisierten Welt sein können. Ich sah wie böse, Menschen werden können und anderen Menschen Schmerzen zufügen können, ohne sich etwas dabei zu denken. Jetzt wo ich von der Reise zurück bin, sehe ich die Bilder und Filme zum Thema Holocaust anders. Sie berühren mich noch mehr als vorher schon. Ich bin froh, die Möglichkeit gehabt zu haben, mit diesen Menschen ihre Erfahrungen geteilt zu haben. Auschwitz darf nicht vergessen werden, nicht jetzt und nicht in hundert oder tausend Jahren. Es ist das schlimmste und grausamste Verbrechen in der Menschheitsgeschichte gewesen und wir müssen hoffen, dass sich so etwas nie wiederholen wird.

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Caroline Wagner 12GE1

actualisée le 2010.03.20 — © Lycée des Arts et Métiers